32nd Göttingen Neurobiology Conference / 8th Meeting of the German Neuroscience Society
Next Meeting: Thursday, March 25, 2009 to Sunday, March 29, 2009
 
 

 History

  

Geschichte und Konzept der Göttinger Neurobiologentagung
1973 - 2003

von Prof. Dr. Norbert Elsner

Die Göttinger Neurobiologentagungen gehen auf eine Anregung von Prof. Dr. Ernst Florey (1927 - 1997) und Prof. Dr. Otto Creutzfeldt (1927 - 1992) zurück und fanden seit 1973 zumeist in der Woche nach Pfingsten statt. Tagungsort war bis 1981 das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, jedoch wurde wegen der stetig wachsenden Teilnehmerzahlen und Posteranmeldungen 1982 der Umzug in die Georg-August-Universität Göttingen erforderlich. Seit dieser Zeit trug die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Norbert Elsner (Abteilung Neurobiologie des Instituts für Zoologie und Anthropologie) die Verantwortung für die Finanzierung, technische Organisation und Edition der Programmhefte und Tagungsbände. Nach Abschluß der 29. Göttinger Neurobiologentagung im Jahre 2003 übergab N. Elsner die Leitung an die Neurowissenschaftliche Gesellschaft, wobei die örtliche Organisation fortan in den Händen von Frau Prof. Dr. Kerstin Krieglstein (Zentrum Anatomie) liegt.

Mit den Göttinger Neurobiologentagungen wurde für Biologen und Mediziner ein gemeinsames Forum geschaffen, auf dem die Forschung am Gehirn und den Sinnesorganen von Mensch und Tier über die Fachgrenzen hinweg dargestellt und diskutiert werden kann. Es war und ist das Ziel der Organisatoren, die Göttinger Tagung für Beiträge aus allen Richtungen neurobiologischer Forschung offen zu halten. Dieses zwanglose Konzept hat im Laufe der Jahre großen Anklang gefunden: Nahmen 1973 etwa 120 Neurobiologen teil, so waren es in den letzten Jahren stets etwa 1.500. Mehr als 40% davon sind Doktoranden und Diplomanden. Bemerkenswert ist auch, daß die Zahl der Teilnehmer aus den Nachbarländern, vor allem der Schweiz und Österreich, aber auch aus Frankreich, England, Holland, Dänemark, Finnland, Slowenien und neuerdings auch aus Übersee, stetig und überproportional wächst. Von der Möglichkeit der Poster-Präsentation haben von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer, nicht zuletzt die Jüngeren, Gebrauch gemacht. In den siebziger Jahren waren anfangs jeweils 25, später bis zu 75 Poster gezeigt worden, 1999 waren fast 800 Poster zu sehen und bei der 29. Göttinger Neurobiologentagung waren es etwa 1.000.

Um das Programm nicht in dieser - an sich durchaus erwünschten - Breite zerfließen zu lassen, werden aktuelle Schwerpunktthemen in sieben Hauptvorträgen vorgestellt. Zwei davon sind dem Gedenken an Otto Creutzfeldt und Ernst Florey, ein weiterer ist - auf Anregung von Erwin Neher - dem molekularen Neurobiologen Roger Eckert gewidmet. Die Posterbeiträge und die Hauptvorträge werden seit 1990 durch Symposien mit verschiedenen Spezialthemen ergänzt. 1991 fanden drei derartige Zusatzveranstaltungen statt, im Jahr 2003 waren es 28. Die Tagungen wurden von 1973 bis 1999 alljährlich veranstaltet. Mit Rücksicht auf die Bestrebungen, auch ein gesamteuropäisches neurowissenschaftliches Forum zu haben, gibt es seitdem jedoch einen Zweijahresrhythmus, wobei die Göttinger Tagungen in den ungeradzahligen und die an wechselnden Orten stattfindenden europäischen Kongresse in den geradzahligen Jahren veranstaltet werden.

Die Göttinger Neurobiologentagungen wurden von 1982 bis 2003 unter der Schirmherrschaft des Präsidenten der Universität von einem lokalen Förderkreis durchgeführt, dessen Mitglieder an der von Prof. Dr. Norbert Elsner geleiteten Abteilung Neurobiologie arbeiten. Die Veranstaltungen waren seit 1982 vollständig eigenfinanziert und kamen ohne jegliche öffentliche Unterstützung aus. Die Finanzierung beruhte einzig und allein auf den Beiträgen der Tagungsteilnehmer und auf eingeworbenen Spenden. Es wurde versucht, die Tagungsgebühren trotz ständig steigender Kosten niedrig zu halten, damit auch jüngeren Wissenschaftlern die Teilnahme ermöglicht wird. Bei der Tagung des Jahres 2003 betrug die Gebühr für das wissenschaftliche Programm bei frühzeitiger Anmeldung nur 65 Euro, für Studenten sogar nur 40 Euro und dies unter Einschluß aller Kosten für die Organisation, das Programmheft und den mehr als 1.500-seitigen Tagungsband. Im Laufe der Jahre konnten mit Hilfe der Spenden und der Tagungsbeiträge Tafeln für 1.000 Poster, Beleuchtungseinrichtungen, Elektromaterial für die Ausstellungen etc. im Wert von nahezu 40.000 Euro beschafft werden. Zudem wurde durch einen Mitarbeiter der Abteilung Neurobiologie eine komfortable und effektive Software entwickelt, die die Registrierung der Teilnehmer, einschließlich des Einreichens ihrer wissenschaftlichen Beiträge, über Internet problemlos ermöglicht. All dies ist im Institut für Zoologie und Anthropologie gelagert bzw. dokumentiert und steht nach Absprache gegen eine geringe Gebühr auch für andere Tagungen zur Verfügung.

Viele Jahre lang wurde der für das Programm verantwortliche wissenschaftliche Leiter, in der Regel ein auswärtiger Neurowissenschaftler, nach offener Diskussion über wünschenswerte zukünftige Themen recht unkonventionell in der Abschlußveranstaltung der jeweils vorangegangen Tagung benannt. Seit 1999 ist jedoch eine Institutionalisierung vorgenommen worden, indem dieses Amt der jeweilige Präsident der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft ausübt wovon jedoch, auch im juristischen Sinne, die eigenverantwortlichen Organisation der Tagung durch die von Prof. Dr. Norbert Elsner geleitete Abteilung Neurobiologie bis zum Jahre 2003 unberührt blieb. Mit dem Ausscheiden von N. Elsner ist nunmehr die volle Verantwortung auf die Neurowissenschaftliche Gesellschaft e. V. übergegangen.

Auf den folgenden Seiten sind die Schwerpunktthemen, Hauptvorträge und Symposien der letzten 20 Jahre zusammengestellt. Sie vermitteln einen Eindruck von der Vielfalt der neurowissenschaftlichen Forschung und deren Präsentation auf den Göttinger Neurobiologentagungen.

Göttingen, im November 2004

Prof. Dr. Norbert Elsner

Göttinger Neurobiologentagung 1982 - 2003